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1./2. AC in Kärnten aus 10 Tagen Distanz

Zucker und Peitsche? Oder Peitsche und Zucker?

Ich schreibe diese Zeilen, weil ich schon in Klagenfurt dazu aufgemuntert worden bin und weil ich jetzt - fast 10 Tage später - der Meinung bin, dass sich auch eine kritische Rückschau durchaus lohnt. Um beim Wort "lohnen" zu bleiben und auch die Eingangsfrage zu beantworten: es lohnte sich auf jeden Fall, dabei zu sein und einige Tage in der Region zu verbringen.

Damit nun aber zu den eher kritischen Details. "Fairplay" als Oberbegriff gilt nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für die Veranstalter. Damit sind die Spielregeln und/oder reglementarischen Vorgaben gemeint. Dazu gehört zum Beispiel am Samstag in Drasing die Karte. Ich unterstelle dem Veranstalter, dass er nicht nur unterschiedliche Kartenmassstäbe, sondern unterschiedliche Karten verwendet hat. Ich schliesse das aus der Feststellung, dass es auf der Karte 1:7'500 zwei Grössen von grünen und schwarzen 'x' sowie blauen 'o' gibt. Es hat auch kleine und grosse "kleine Senken" ('u'). Und winzige einzelne Punkte als Steine. Im Format 1:10'000, in welchem diese Karte gezeichnet sein müsste, sind diese Signaturen während des Laufes eher nicht erkennbar. Interessanterweise wurden der Titel der Veranstaltung, Bahnnummer, Kategorie(n) und die Postennummern in der vorgesehenen Vergrösserung gegenüber der Ausgangskarte 1:10'000 belassen, die Postenkreise aber verkleinert (immerhin 7mm Durchmesser gegenüber 6mm im 10'000er-Standard). Die Postenbeschreibung erfüllte hingegen nicht einmal die angestrebte IOF-Norm. Als "unglücklich" betrachte ich die Diskrepanz zwischen der Information betreffend der 15m hohen Felswand mit Absperrband und der Realität nachher im Gelände. Es darf in diesem Fall nicht einfach eine zweite vergleichbare, aber nicht genannte Situation im Gelände haben. Allein dieser Umstand hat zu Verwirrung geführt. Der zweite Felsen ist sogar als Postenstandort ausgewählt worden, was schon sehr eigenartig ist.

Beim Sprint und der Mixed-Sprint-Staffel muss ich die Postenbeschreibungen bemängeln. Wenn ich alleine bei 2 Bahnen mehrere "Fehler" aufzählen kann, liegt der Verdacht nahe, dass die Verantwortlichen noch bei weiteren Posten keine glückliche Wahl getroffen haben. Sinn und Zweck der Postenbeschreibung sollte sein, eine möglicherweise unklare Situation auf der Karte zu präzisieren. In Klagenfurt haben verschiedene Beschreibungen mehr irritiert als sie geholfen hätten.

Sprint, Bahn 16, Posten 1, Nummer 201, Gebäude NW-Ecke: Ich komme die Treppe hoch zum Startdreieck. Das Gebäude sollte gleich sichtbar/erkennbar sein. Gebäude? Fehlt da auf der Karte nicht sowieso noch eine Grünstufe? Ich bin - wie andere auch - richtig blockiert. Ich sehe dann eine Postenflagge, laufe hin und bin erleichtert. Ich habe nachher den Bahnleger darauf angesprochen. Er hat erklärt, sie hätten sich für "Gebäude NW-Ecke" entschieden. Bitte: man kann sich nicht für eine Postenbeschreibung "Gebäude" entscheiden, wenn weder in natura noch auf der Karte ein solches Objekt existiert! Posten 4, Nummer 129, steht direkt neben einer Statue. Postenbeschreibung: Wiese SW-Ecke! Posten 6, Nummer 139, und Posten 8, Nummer 140, befinden sich beide Male unten an einer Treppe. Bei Nummer 139 steht Mauerecke; bei Nummer 140 Treppe unten. Posten 9, Nummer 144, hätte 2 m weiter westlich als "Mauerecke einspringend" besser gepasst. Posten 10, Nummer 142, ist ein Musterposten für ein "Gebäude, Ecke einspringend". Postenbeschreibung: Platz, Ecke einspringend. Posten 15, Nummer 168, hätte an einem Gebäude NW-Ecke stehen sollen. Er stand wenige Meter weiter westlich an einer Mauerecke; also möglicherweise auch falsch. Posten 16, Nummer 166, Platz Ecke einspringend. Der Posten steht am Gebäude, wo sich die Ecken von Gebäude und Platz treffen. Die naheliegende Postenbeschreibung wäre darum: Gebäude, NE-Ecke.

Sprint, Bahn 19, Posten 7, Nummer 137, mittleres Dickicht, Westseite: in natura ist es ein Einzelbaum. Posten 10, Platz Südecke einspringend: wer auf den Platz läuft, erwartet auch die Postenflagge sofort im Blickfeld. Der Posten steht 2-3 Stufen unterhalb am Ende einer nicht kartierten Treppe und ist erst dort sichtbar. Notabene, diese Bahn hat spätestens ab Posten 16 (von 21) H/D10-Niveau.

Mixed-Sprint-Staffel, Senioren, Posten 5 (C), Nummer 196: nur Gebäude Ecke einspringend macht hier Sinn. Posten 8, Nummer 191, ist ein weiteres Beispiel für eine unlogische Verwendung einer Ecke von Gebäude bzw. Platz.

Ich erlaube mir abschliessend eine Bemerkung zur Karte Klagenfurt: Sie ist (leider) ein weiteres Beispiel dafür, dass sich Kartenzeichner zu stark an die Grundlage halten und dann insbesondere Treppen zu schmal und zu kurz einzeichnen. Auch Durchgänge/Gassen sind im Bedarfsfall breiter zu zeichnen als auf den Plänen. Siehe auch die Darstellungsvorschriften der IOF. Danke, dass ich mich äussern konnte!

Mario Ammann

Kommentare

  • Hallo Mario,

    die ACs in Klagenfurt haben mir auch gefallen. Wenn ein österreichischer Verein eine so gute Wald-OL-Karte selbst zeichnet, ist das bemerkenswert. Bei einer Mitteldistanz sollten aber alle Schüler- und Jugendklassen die Karte im international üblichen Maßstab 1:10000 erhalten, nicht 1:7500. Die winzigen Symbole, die in der 10k-Version im Laufen schwer lesbar waren, kann man entweder weglassen oder durch Symbole in Normgröße ersetzen. Manche Veranstalter sind hier etwas beratungsresistent, wie beim spektakulären Senfburg-Sprint 2016, als in allen Kategorien außer DHE der Maßstab 1:3000 verwendet wurde.

    Deine Kritik an den Sprint-Postenbeschreibungen ist auch berechtigt. Bereits bei weiteren Sprint-Highlights 2016 in Seesen und Pinkafeld (Posten 152, 147) tauchten einige "Plätze" mit Innenecken in der Postenbeschreibung auf, die laut Reglement nicht falsch sind, aber es den Läufern schwer machen. Mauer, Innenecke, wäre wohl besser gewesen. Was in der ISCD2004 fehlt, ist eine klar definierte Hierarchie in den Postenbeschreibungen:
    1. unpassierbare Linienobjekte (Mauer, Zaun, Hecke) -> Innen- und Außenecken beeinflussen Routenwahl
    2. sonstige gut sichtbare Objekte (Denkmal, Gebäude) -> erkennt der Läufer von Weitem
    3. weniger gut sichtbare Objekte (befestigte Fläche, Wiese)

    Die Frage "Zuckerbrot oder Peitsche?" finde ich etwas unpassend, das klingt so, als wären die ehrenamtlich arbeitenden OL-Organisatoren die Sklaven der Teilnehmer

    Liebe Grüsse in die Schweiz
    Kermit
  • danke, lieber Dirk, für deinen sachlichen Eintrag
  • IOF gibt Fürnkranz-Beschwerde Recht.
    Details siehe nachfolgender Elektropost-Verkehr
    .


    ----- Forwarded Message -----
    From: David Wästlund <david.wastlund@orienteering.org>
    To: Martin Fürnkranz <martin.fuernkranz@yahoo.de>
    Sent: Friday, 19 May 2017, 17:11
    Subject: RE: no answer from David Wästlund within a fortnight

    Dear Martin,
     
    I have sent request for correction to Austria. We also made a check on other Austrian WRE:s and they need to step up on all events.
     
    Thank you for giving us the feedback. It is important that we keep a good standard on the WRE:s!
     
    Best Regards,
     
    David Wästlund
    Sports Administrator
    +46 70 216 33 32
     
    International Orienteering Federation
     
     
    ----- Forwarded Message -----
    From: David Wästlund <david.wastlund@orienteering.org>
    To: Martin Fürnkranz <martin.fuernkranz@yahoo.de>
    Cc: Tom Hollowell <tom.hollowell@orienteering.org>
    Sent: Friday, 19 May 2017, 16:37
    Subject: RE: no answer from David Wästlund within a fortnight

    Dear Martin,
     
    Sorry for a late answer, you are totally right. The bulletin should be available in English and also available as a PDF on the Eventor page.
     
    I will contact the Austrian Federation.
     
    Best Regards,
     
    David Wästlund
    Sports Administrator
    +46 70 216 33 32
     
    International Orienteering Federation
     

    ----- Forwarded Message -----
    From: Martin Fürnkranz <martin.fuernkranz@yahoo.de>
    To: "david.wastlund@orienteering.org" <david.wastlund@orienteering.org>
    Sent: Friday, 5 May 2017, 19:26
    Subject: no English language invitation for World Ranking Event in Austria
     
    Dear Mr. Wästlund,
     
    I see that you are the IOF person responsible for World Ranking Events (WREs).

    On May 7 (just two days from now) there will be a WRE in Klagenfurt, Austria, namely the Austrian Championship Sprint. Please have a look through "IOF Eventor" at the "invitation": This should be an English language document, but in fact large sections of the document are in German! (Not the whole document, but very large sections, and even essential ones...)

    Over the last weeks I have complained repeatedly about this issue to various persons - the event director, the course planner, the national event adviser, the international event adviser, the head of the Events commission in the Austrian Orienteering Federation and even to the President. But nothing has happenend! I have not even received an answer... Therefore I am now writing to the next instance in the hierarchy - to you, Mr. Wästlund.

    My question is: Is it obligatory to publish a 100% English language invitation for a World Ranking Event, or not? I personally feel that it should be obligatory to avoid disadvantaging foreign participants.

    If it is obligatory: Can you act on the matter? I leave it up to you how you act.

    Yours slightly disorientated
     
    Martin Fürnkranz
  • hallo martin,

    ohne ironie: würdest Du Dich anbieten, in zukunft die einladungen ehrenamtlich ins englische zu übersetzen?

    der arbeitsumfang wäre überschaubar, Deine kompetenzen sicher gegeben und die community würde es Dir danken.

    lg, gregor
  • how to translate . Zuckerbrot und Peitsche........ sugar bread and
    Whip
  • an Gregor: Das hängt von der Interpretation von "ehrenamtlich" ab. Eine "Aufwandsentschädigung" ist allgemein üblich. Folgender Deal wäre möglich: Übersetzung gegen kostenlose Teilnahme, also kein Nenngeld bezahlen.
  • @Goggi: "Zuckerbrot und Peitsche" = "carrot and stick"

    @Fürni: Du hast bzgl. des Versäumnisses völlig Recht, und David Wästlund hat völlig Recht, dass die Qualität österreichischer WREs und anderer IOF-Events noch Potenzial hat.


    Gerade für die notwendigen englischen Bulletins für internationale Events sollte am Besten ein native speaker eingebunden sein oder überhaupt gleich selber übersetzen. Nach Möglichkeit jemand, der OL kennt. Internationale Events sind Aushängeschilder. Die Qualität - auch die sprachliche Qualität - sollte hoch sein.

    Vielleicht könnte der ÖFOL mit zum Beispiel Iain Rochford irgendeine allgemeine Regelung finden, für internationale Events übersetzen oder zumindest Korrektur lesen zu lassen? Was in Bulletins oft an englischer Sprache geboten wird, ist quer über den Globus leider immer wieder ein ziemlicher Kauderwelsch. Auch IOF-Bulletins oder IOF-Berichte. Noch dazu existiert meines Wissens kein Fachwörterbuch deutsch-englisch für Orientierungslauf. 


    In Vorbereitung und als Vorversuch für internationale Events habe ich vor ein paar Jahren selber mal probiert, eine englische Läuferinfo herauszugeben. Es ging bei diesem meinem OL damals praktisch "um nichts", es war ein Trainings-Faschingslauf. Dennoch war die Erfahrung sehr prägend: Für die vorgegebene Länge der Läuferinfo von nur maximal einer Seite (und das vorgegebene Format und Layout) bin ich mindestens drei Tage alleine dafür gesessen, um über british orienteering und verschiedene OL-Bulletins aus England das Fachvokabular einigermaßen zusammenzusuchen und die in England wirklich gebräuchliche OL-Fachsprache zu imitieren. Trotzdem war mein Elaborat kläglich und holprig. Zur allgemeinen Unterhaltung habe ich den link zur Datei von 2014 https://c.gmx.net/@334675071144558630/KjepIbfgSW2ixKJkmXegnw angefügt, vielleicht hilft es irgendjemandem bei der Suche nach Formulierungen (zum Beispiel: "SI-Chip auslesen").
  • Herzliche Gratulation an die Sprintstaffel sowie an Ursi und Kerschi für Platz 20 in den finnischen Wäldern - bei extremer Leistungsdichte mit etwa 30 skandinavischen Starterinnen und Startern.

    Beim Anschauen der Sprintstaffel-Karte aus Turku fällt ein interessantes Detail auf: Kleine Dickichte sind anscheinend entweder mittelgrün oder schwarzgrün dargestellt, jedoch nicht dunkelgrün (Vollton). Dadurch werden Verwechslungen von kleinen Dickichten und Einzelbäumen vermieden

    LG Kermit
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