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Laufzeiten

Nein, nein - keine Sorge, nicht noch ein Beitrag über vorgegebene Siegerzeiten im OL ;-)

Mich würden die Testergebnisse der KaderathletInnen (Elite, Junioren, Jugend) interessieren. Welche physische Tests wurden gemacht, welche Leistungen gebracht, wo liegen diese im internationalen OL-Kontext, wo im Vergleich zum jeweiligen Weltrekord? Wie sehen die Leistungsentwicklungen, Querschnitte, Peergroupvergleiche aus? Welche Konsequenzen zieht man, welche Trainingsschwerpunkte setzt man? Gibt es eine Korrelation zu WM-/EM-Ergebnissen? Was haben Athleten trainiert, deren Laufleistung sich signifikant verbessert hat? Und was jene, die vielleicht trotz intensivem Training keine Verbesserung erreichen konnten?

Aber auch über OL-Testläufe inkl. Zeiten und Routen gibt es wenig bis vielmehr gar nichts zu finden...

Vorab schon vielen Dank, falls sich in der derzeiten Kaderpolitik etwas in diese Richtung ändert!

Wünsche euch einen erholsamen Übergang bzw. einen guten Trainingsstart (für die ganz Eifrigen unter uns) :-)
LG, Pierre

Kommentare

  • bearbeitet Oktober 2015

    Die Ergebnisse des PISTE-Test vom März sind hier in T-Pak zu finden.

    Wenn du magst kann ich dir auch auch helfen eine kleine Sammlung von Straßenlaufergebnissen österr. Spitzenathleten (z.B. R. Merl 31:28 min über 10 km aus dem vollen Training) anzufertigen, inkl. Vergleich zur Weltspitze (M. Kyburz 29:54 min oder Y. Michiels 29:59 min).

    Es würde mich überraschen, wenn man deine Fragen hinsichtlich individueller Leistungsentwicklungen, den zugehörigen Trainingshintergründen und deren Zusammenhang mit internationalen Resultaten von Verbandsseite beantworten könnte.

  • bearbeitet Oktober 2015

    Ich wollte damit eigentlich ausdrücken, dass es ev. ein Interesse gibt, wie sich unsere Auswahlläufer entwickeln bzw. im Vergleich präsentieren. Mit etwas mehr Transparenz gäbe es ggf. mehr Verständnis, intensiveres Mitfiebern oder einfach mehr "Interesse" zu unterstützen (zB Loskauf, Förderverein...).

    Möchte dir nur ungern widersprechen Axel, aber natürlich muss es möglich sein, dies verbandsseitig zu beantworten - oder ist das Trainerteam vom Verband ausgegliedert? ;-) Meines Wissens werden Leistungstests vom Verband organisiert und durchgeführt. Ich bin bei dir, dass man (vulgo "der Verband") vielleicht nicht bis ins Detail weiß, warum sich jemand so und nicht anders entwickelt hat.

    ABER: mein Eintrag ist auch als durchaus provozierend zu verstehendes Statement zu sehen, dass man vielleicht noch nicht alles in der Trainingsanalyse ausgeschöpft hat. Wir sind als Verband zu klein bzw. unsere Athletenspitze zu dünn, als dass wir uns in Geheimniskrämerei zu Meisterehren schwingen sollten. Wäre es nicht besser, unsere Kräfte zu bündeln (und dazu zählt es auch, Daten zu erfassen, zu analysieren und entsprechend zu reagieren) um einmal in Dänemarks Fußstapfen (Stichwort "Trainingscenter Arhus") treten zu können?

  • bearbeitet Oktober 2015

    Auch in meinem Eintrag, nämlich im letzten Absatz, steckt die gleiche Provokation. Dieser soll genau das ausdrücken, was du jetzt geschrieben hast (... ich hätte also doch nicht auf den Einsatz des passenden Smileys verzichten sollen).

    Deine Anregung, die Entwicklung der Athleten und die Hintergründe (Trainingsumfänge, Tage im Trainingslager, Leistungsentwicklungen, ..., auch im Vergleich zu den Weltbesten) besser zu kommunizieren, unterstütze ich. Es muss doch noch ein bisschen was geschehen, bis der Orientierungslauf auch als "knallharter" Spitzensport wahrgenommen wird, auch in der OL-Gemeinde selbst. Dieser Aspekt kommt meiner Meinung nach bei der gesamten Berichterstattung (z.B. im ORF) viel zu kurz. Derjenige, der weiß, wie viel Einzelne in die Vorbereitung auf internationale Wettkämpfe stecken, wird automatisch mitfiebern.

  • Das beantwortet zwar noch nicht wirklich Pierres Frage, aber hier ein paar 5000er Zeiten von OLern, die ich im Netz gefunden habe:

    Carsten Jørgensen 13.40 (199x)
    Yannick Michiels 13:47 (2015)
    Andrey Khramov 14:05
    Mårten Boström 14:21
    Daniel Hubmann 14:44 (2008)
    Matthias Merz 14:52 (2008)

  • Diese angesprochenen Themen sind sehr interessant und "notwendig" um sinnvoll das Training der NationalteamläuferInnen planen und auswerten zu können.

    Vielleicht gibt es unter uns jemand, der seine/ihre Diplomarbeit darüber verfassen möchte - ich bin gerne bereit ihn/sie zu betreuen.

    Grundsätzlich ist die neue Funktion von Martin Binder dafür gut geeignet, solche Fragestellungn zu generieren - bearbeiten kann er sie ganz sicher nicht alleine.

    Leider ist die Anzahl von ehrenamtlichen FunktionärInnen, MitarbeiterInnen, die für den Verband tätig sind, sehr gering - es gelingt uns (zusammen) nicht, diesen Personen eine passende (immaterielle) Wertschätzung zu geben.

    Auch die Reinstallierung eines/r VizepräsidentIn Leistungssport würde aus meiner Sicht hier weiterhelfen - diese Funktion ist seit einigen Jahren vakkant und sollte offiziell ausgeschrieben werden - der Bedarf ist mMn groß.

  • bearbeitet Oktober 2015

    Hallo Pierre und andere,

    es ist richtig, dass der Verband die Antworten auf die aufgeworfenen Fragen nicht einfach aus der Tasche ziehen kann, die Kadertrainer machen sich aber durchaus Gedanken dazu, beobachten die internationalen Entwicklungen sowie die Entwicklungen im Team und vergleichen über die Zeit hinweg und international. Nicht zuletzt war dies ein Grund für die Einführung von PISTE durch Rolf Gemperle - ein standardisierter Test der den internen Vergleich wie den Vergleich mit der (in diesem Fall Schweizer) Weltspitze ermöglicht (reine Laufzeiten, Lauf- & O-technischer Kombitest, kognitiver Test). Gefordert sind hier aber vor allem auch die persönlichen Trainerinnen und Trainer bzw. die Athletinnen und Athleten selbst - die Kadertrainer steuern in der Regel ja nicht das tägliche Training.

    Dass wir im internationalen Vergleich - noch immer - zu langsam sind, wissen die Athletinnen und Athleten (hoffentlich ;-) ), dies wird auch immer wieder von den Kadertrainern betont (etwas, das sich seit vielen, vielen Jahren und vielen Trainern nicht geändert hat). Das betrifft auch unsere Spitze (also sogar Kerschi, Robi, Ursi, ...), siehe die oben geposteten Zeiten bzw. Zeiten der weltbesten Damen. In den letzten Jahren (soweit habe ich Einblick) wurde verbandsseitig daran gearbeitet, dieses Bewusstsein zu schärfen, bspw. durch die - jetzt mehrmals im Jahr - Durchführung von Bahntestläufen für alle Kader (5.000m für Elite, 3.000m für Junioren und Jugend), Vorträge; heuer gab es erstmalig ein als solches ausgeschriebenes Lauf-Trainingslager. Die Bahnlaufzeiten fließen auch zum Teil in die Selektionsentscheidungen ein. Dass sich das Bewusstsein (meines Erachtens, und v.a. auch beim Nachwuchs) ändert, sieht man daran, dass viele Kadermitglieder sich mehrmals im Jahr am Bahntest versuchen (und Straßenläufe laufen), und auch Kaderaspiranten die Beibringung einer Bahnlaufzeit als selbstverständlich erachten. In Zukunft ist die Stärkung des Leichtathletik-Trainings (Unterstützung/Organisation durch den Verband) geplant, v.a. im regionalen Bereich (-> Aufgabe Martin Binder). Es gibt Stimmen, die sagen: "Wir machen OL, brauchen keine Bahntests", ich bin aber überzeugt, dass die läuferische (überprüf- und steuerbare!) Komponente in Anbetracht der Entwicklung des OL-Sportes (wie beim Ski-OL das Langlaufen und beim MTBO das Mountainbiken) die unabdingbare Grundlage ist.

    Laufzeiten, Trainings, Ergebnisse, ... (Routen vielleicht nicht) sind im öffentlichen Bereich der Kaderplattform T-Pak (www.t-pak.ch) zu sehen; ab kommendem Jahr sollten diese im Bereich Leistungssport auf der ÖFOL-Homepage zu finden sein.

    Eine eigens für den Leistungssport zuständige Person im Präsidium würde ich begrüßen - wer will? ;-)

    Liebe Grüße

    Erik

  • Stichwort Piste Test - kam aus der Schweiz, wurde durchgeführt - Ergebnisse wurden sowohl mit Athleten als auch deren Trainern nie analysiert - das auch zum Nachdenken?

  • bearbeitet Oktober 2015

    Hallo Goggi - das stimmt so nicht generell. Der (ursprüngliche) PISTE-Test besteht aus mehreren Teilen: Dem Bahnlauftest (5.000m bzw. 3.000m), dem O-400 (5x 400m auf der Bahn mit O-spezifischen Gedächtnisaufgaben), einem kognitiven Teil (Konzentrationsaufgaben, O-technische Aufgaben wie Routenwahlen erkennen oder Höhenmodell interpretieren unter Zeitdruck) und einer externen Beurteilung (Umfeld, ...). Manche Teile (Bahnlaufzeiten) sind einfach zu interpretieren, andere (Ergebnisse des kognitiven Tests) weniger. Beim kognitiven Test bspw. reicht es erfahrungsgemäß nicht, die Ergebnisse einfach bekanntzugeben, diese müssen erklärt werden. Werner Pietsch z.B. legt Wert darauf, diese mit den Jugendlichen gemeinsam anzusehen. Im Elite-Bereich haben wir zuletzt auf die Durchführung des kognitiven Teils verzichtet - zu viel Aufwand für zu wenig Nutzen für O-technisch fortgeschrittene Athleten. Die externe Beurteilung ist schon früh (vor Jahren) gefallen. Es wurde auch immer wieder diskutiert, welche Ergebnisse allgemein veröffentlicht werden sollen - die Ergebnisse des kognitiven Tests wurden etwa, zumal eben Erklärungen notwendig sind, als wesentlich heikler angesehen als bspw. die Bahnlaufzeiten.

    Ich glaube, ein wesentlicher Punkt bei aller Diskussion über Nutzen der Ergebnisse ist, dass überhaupt einmal so ein standardisierter Test eingeführt wurde und Eingang in den Kader-Jahresplan gefunden hat. Zumindest zwei Mal im Jahr gibt es einen "PISTE"-Termin für alle Kadermitglieder, welche Teile des ursprünglichen Tests dieser auch enthalten mag, und sei es für manche nur der Bahnlauftest über 5.000m bzw. 3.000m.

    LG

    Erik

  • bearbeitet Oktober 2015

    Um eine von Pierres ursprünglichen Fragen zumindest teilweise zu beantworten: Die 5.000m-Zeiten [der Herren, für diese habe ich's mir über die Jahre genauer angesehen] korrelieren hochgradig mit den Ergebnissen der Sprint-Quali-Läufe für diverse Selektionen. Irgendwie ein NoNa-Ergebnis, aber zumindest eine Bestätigung, dass es da einen Zusammenhang gibt. :-)

    Diese Analyse kann man noch wesentlich ausbauen.

  • bearbeitet Oktober 2015

    Erik, bitte korrigiere mich, wenn ich falsch liegen sollte: Der PISTE-Test wurde ursprünglich zur sportartübergreifenden Leistungseinschätzung für den Nachwuchsbereich in der Schweiz entwickelt.

    Dass er auch im Elite-Kader angewendet wird, beruht vor allem auf dem Mangel anderer geeigneterer diagnostischer Instrumente (Motto: "besser als gar nichts"), der OL-PISTE wird allerdings zur punktuellen Leistungseinschätzung inzwischen auch von den Athletinnen und Athleten akzeptiert.
    Als Allheilmittel für alle Fuß-O-Disziplinen taugt er mE. nicht, denn er testet weder echte Langzeitausdauer über 30/40 Minuten, noch Kraft, noch Sprung.

    Mich interessiert in diesem Zusammenhang, ob inzwischen überhaupt irgendetwas zur OL-Leistungsdiagnostik entwickelt wurde, oder ob der Stand noch immer so ist wie vor ca. 2 Jahren, als es noch nichts wirklich Brauchbares gab.

    Danke,
    Andreas

    PS: Erik, Du meintest wg. der zeitlichen Reihenfolge "Daten->Hypothese" etwas genauer formuliert natürlich "ein Hinweis, dass es da einen Zusammenhang geben könnte". ;-)

  • bearbeitet November 2015

    Hi Andreas - vollkommen richtig; PISTE (Prognostische Integrative Systematische Trainer-Einschätzung, für die, die es ganz genau wissen wollen) ist ursprünglich ein von Swiss Olympic entwickeltes sportartübergreifendes Talentefindungs- und Selektions-Instrument für den Nachwuchsleistungssport.

    Als Allheilmittel sieht den Test bei uns auch niemand an - es ist aber zumindest ein Ansatz eines standardisierten Instruments (wir lehnen uns auch nur an und führen auch nur Teile durch).

    Zu Beginn hat auch die Elite in Österreich den OL-spezifischen Test zur Gänze gemacht, was auch nicht ganz uninteressant war - ich erinnere mich beispielsweise, dass Ursula Kadan einen Top-Wert beim Konzentrationstest hatte. Inzwischen macht die Elite diesen Teil aber nicht mehr.

    Recht hast Du auch, dass zwischen 5.000m-Zeiten und Sprint-Ergebnissen einen Zusammenhang bestehen könnte - verzeihe mir die unpräzise Formulierung. :-)

    Eine weitere Hypothese, auch von den Trainern geäußert (vereinfacht): Mehr (bzw. gezielteres) Training -> Bessere Ergebnisse ;-)

  • Reine standardisierte Laufbahnzeiten sind ein Teil einer Weltstandsanalyse.
    Viele internationale OL-Verbände arbeiten daran, wie wir bei der Coaches Conference erfahren haben (zu mindest die Dinge, in die sie uns hineinschauen ließen).
    Dies kann aus meiner Sicht auch nur ein Verband leisten, also deren bezahlte LeistungssporttrainerInnen, üblicher Weise in enger Zusammenarbeit mit einer Sportuniversität.
    Meines Wissens nach war die letzte abgeschlossene Kooperation mit einer Sportuniversität die Diplomarbeit von Karl Lang (über Leistungsdiagnostik im OL – immer noch extrem lesenswert) aus dem Jahre 1997. Vor 2 Jahren musste eine wissenschaftliche Arbeit mit der FH-Sport in Wr. Neustadt seitens der FH abgebrochen werden, weil das OL-Nationalteam zu wenig Interesse hatte.
    @Erik: Soll man Deinen ersten Thread so verstehen, dass die Funktion des/der VizepräsidentIn Leistungssport damit ausgeschrieben ist, oder kommt dazu noch eine genaue und offizielle Ausschreibung?

  • Markus: Ich bin mit einer Person im konkreten Gespräch, von dieser erfolgt diese Woche eine Zu- oder Absage. Wenn Absage, dann wird es dazu eine Ausschreibung geben.

    LG

    Erik

  • bearbeitet November 2015

    Zu betonen, dass zu langsam gelaufen wird, reicht sicher nicht aus. Auch nicht, diesen Sachverhalt durch Tests zu untermauern. Was es zu untersuchen gilt, sind die Hintergründe, da wies ja schon der Pierre darauf hin. Gibt es nicht vielleicht doch eine gewisse Systematik im heimischen Trainingsregime, die dazu führt, dass unsere OL-Elite auch physisch unterlegen ist? Ohne nach dieser Erkenntnis zu streben scheint mir jeglicher Test und jegliche Analyse unsinnig. Das Ergebnis dieser Untersuchung gehört dann möglichst schnell an die Basis, zu den Trainern (falls es die gibt) bzw. zu den Athleten. Hierin sehe ich derzeit die wichtigste Aufgabe bei der Entwicklung des Leistungssports im ÖFOL. Der Verband soll natürlich nicht das Training des Einzelnen regeln, aber er sollte allgemeine Tendenzen im Training verfolgen und beurteilen. Dazu engagiert man ja auch "wissende" Leute als Nationaltrainer.

    Deutlich unter 15 min (Herren) oder unter 17 min (Damen) läuft man über 5000 m nicht einfach so (auch nicht als Schweizer, Däne, Finne, Schwede, Norweger,...). Dazu gehört jahrelanges systematisches Lauftraining mit angemessenen Umfängen und guter Qualität, am besten schon ab dem Schüleralter. In der Leichtathletik erreichen auch nur die wenigsten dieses Leistungsniveau und das, obwohl hier meist schon seit der frühen Jugend systematisch darauf hin trainiert wird. Wenn man dann daran denkt, dass es (noch) weniger OLer als Leichtathleten gibt, die meist auch noch sehr spät mit wirklichem physischem Training anfangen, sollte es nicht verwunderlich sein, dass es nur alle paar Jahre einen Orientierungsläufer auf internationalem Spitzenniveau gibt. Und ich behaupte, dass es sich dann auch nur um eine glückliche Fügung handelt, nicht um das Ergebnis eines Systems. Es gibt kaum Trainer, zu viele romantisch verklärte Vorstellungen von "Training" und viel Hilflosigkeit.

    Die Leistungsanforderungen im OL sind komplex, das Training muss es ebenfalls sein. Das erfordert gut ausgebildete Trainer, die das Prinzip des "spezifischen Trainings" für den Orientierungslauf kennen. Wenn wir sicherstellen können, dass erkannte Talente früh an das notwendige Training (physisch wie technisch) herangeführt werden, wird es nicht schwierig sein sich international zu behaupten, davon bin ich überzeugt.

  • an die Basis, zu den Trainern (falls es die gibt)

    Diese Worte sagen viel aus: Es gibt in Österreich im OL (noch) kein systematisches Trainerwesen. Das hat viele Gründe, auf die ich hier nicht eingehen will. Zumindest auf struktureller Seite und regionaler Ebene wird dieses Problem seit kurzem von Martin Binder angegangen. Änderungen dabei gehen nicht von heute auf morgen und brauchen Zeit.

    Für die Ebene der Vereinsarbeit bzw. die Einzelathleten wurde jetzt im Sommer im Rahmen des letzten Trainer-Kurses erstmals überhaupt ein Rahmentrainingsplan für OL ausgearbeitet. (Ich hoffe, dass er demnächst online abrufbar wird, bin schon gespannt. Bumsti? Kerschi?)
    Da es für langjährigen Aufbau bisher also weder geeignete Strukturen gab, noch einen einheitlichen Rahmen, noch einheitliche Ziele, ist klar, dass viel an Energie und Arbeit eben nicht gebündelt wurde, sondern diffundierte. Dass sich daraus überhaupt Spitzenleistungen ergeben haben und ergeben, ist sowieso beachtlich und zeigt nur das große Potenzial auf, das in Österreich vorhanden ist.

    Abgesehen von der systematischeren Arbeit beim Bundesheer lag die Leistungsentwicklung vor allem im Einzelengagement der Athletinnen und Athleten und deren Betreuer, und - wenn der Verein diese Aufgabe wahrnahm - bei einzelnen Vereinen. Also stark im individuellen Bereich. Ich denke mir zwar, dass es eine Rolle spielen könnte, dass OL eher ein sehr individueller Sport ist, dennoch sollte das irgendwie koordiniert und systematisiert werden. Das könnte auch gegen Resignation helfen, die dann doch da und dort zu spüren ist.

    Ohne systematischen langjährigen Aufbau wird es im internationalen Spitzenumfeld bald einfach nicht mehr gehen. Die Zeiten, in denen man im Alter von 19 Jahren mit OL als Hobby beginnen konnte und gleich sechs bis acht Jahre später im Alter von 25-27 im internationalen Feld mitlaufen konnte, sind meiner Ansicht nach vorbei: OL entwickelt sich von einer Randsportart zur Trendsportart, dadurch wird das Teilnehmerfeld gleichzeitig breiter und höher. Der Verbreiterung trägt der ÖFOL teils Rechnung (Öffentlichkeitsarbeit, Fernsehberichte, Förderung des Schulsports), bei der Höhe hapert es leider noch etwas. :-)

    Dass die Bemühungen mit der FH-Diplomarbeit über OL-Leistungsdiagnostik abgebrochen werden mussten, wusste ich nicht - ich finde das extrem schade und traurig. Gibt es wenigstens Teilresultate bzw. vorbereitende Arbeiten daraus?
    Die Arbeit von Karl Lang (1997) kenne ich noch nicht - ist sie online irgendwo abrufbar?

    Am Thema OL-Leistungsdiagnostik und deren Entwicklung sollte man meiner Meinung nach unbedingt dranbleiben. Sonst fehlt ein Teil einer wichtigen Feedback-Schleife, ohne die ein systematisches Arbeiten nur eingeschränkt möglich ist. Die Thematik ist keinesfalls einfach (weder sportwissenschaftlich noch mathematisch-statistisch), weil OL eben ein sehr komplexer und nicht leicht systematisch zu beobachtender Sport ist. Aber auch andere komplexe Sportarten haben eine Leistungsdiagnostik zusammengebracht.

    Andreas

    @Axel: Spezifisches Training, klar. Aber es gibt Mankos in der allgemeinen Athletik, die mMn auf einen fehlenden systematischen langjährigen Aufbau zurückzuführen sind. Das spezifische Training setzt im körperlichen Bereich ein gewisses allgemeines als bereits vorhanden voraus (cf. Weineck, Zintl/Eisenhut,...). Rahmentrainingsplan OL gibt es erst jetzt (wir schreiben Ende 2015!); wie viele OLer die Rahmentrainingspläne Leichtathletik (insbesondere Lauf) gelesen haben, ist mir unbekannt.
    Im O-Bereich sind unsere Spitzenleute mMn gar nicht schlecht, aber auch hier gab es im internationalen Umfeld seit Tom Bührer eine rasante Weiterentwicklung im psychisch-mentalen Bereich, und das ist dann doch sehr OL-spezifisch und bislang in Österreich kaum aufgegriffen.

  • Axel, ich unterstreiche alles, was Du schreibst; auch mit den Ausführungen von Andreas kann ich vollinhaltlich mit.

    Ich glaube auch, dass wenn es bei uns alle paar Jahre eine Läuferin / einen Läufer auf internationalem Spitzenniveau gibt, dies nach wie vor weitgehend glückliche Fügung bzw. dem Individuum zuzuschreiben ist, und nicht Ergebnis des "Systems". Nicht zuletzt deswegen ist als eines der Leitbilder (die es in Ziele überzuführen und umzusetzen gilt) im Strategiekonzept des Verbandes formuliert:

    In allen drei Sparten bestehen Strukturen, die kontinuierlichen Nachwuchs für den Spitzensport garantieren. Spitzenleistungen sind kein „Zufall“ oder Einzelerscheinungen, sondern Ergebnis konsequenter und gezielter Trainings- und Nachwuchsarbeit.

    So realistisch müssen wir aber auch sein, dass es bei im Moment 1.000+ praktizierenden Orientierungsläuferinnen und Orientierungsläufern in Österreich (alle Altersstufen, OL in der Schule nicht berücksichtigt) nicht laufend Weltklasseathletinnen und -athleten geben wird.

    Ein gewisses Grundproblem - und hier nehme ich unsere Spitzenläufer/innen und einzelne Personen in den Kadern ausdrücklich aus - orte ich im Verständnis des und Zugang zum Leistungssport. Das meine ich auch mit Bewusstsein schärfen, und das hat Axel oben auch angesprochen. Der Verband kann Strukturen und Rahmen schaffen, hie und da etwas finanzielle Unterstützung geben, eventuell Analysen betreiben und Tipps geben, aber Antrieb und Bekenntnis zum Leistungssport müssen schon von innen kommen, das (tägliche) Training muss die Athletin / der Athlet schon selbst absolvieren. Ich bin bei Axel, dass es zu wenig Trainer und zu wenig Wissen über Training gibt. Auch gibt es nur wenige Vereine, die wirklich gezielt Nachwuchstraining betreiben.

    "Orienteering is 90% work and 10% talent" - Vortrag Janne Salmi, Schielleiten 2014

    Ein/der Rahmentrainingsplan OL wurde bereits 2010 angekündigt - Gut Ding braucht offenbar Weile. ;-)

    Blicken wir auf unsere erfolgreichen MTBOler - was zeichnet diese aus? Talent, konkrete (hohe) Ziele, ein hoher Grad an Eigeninitiative, Tradition, Teamgeist und viel, viel Training. Das alles ohne großartiges Zutun durch den Verband.

    In Martin Binders Aufgabenbeschreibung (noch dürfen wir ihn als neuen Trainer bezeichnen :-) ) steht u.a. "Koordination und Kontrolle der Trainingsaufzeichnungen der Kadermitglieder" und "Leistungsdiagnostische Auswertungen", er ist aber auch nur eine (halbtagsbeschäftigte) Person mit zahlreichen Aufgaben. Die Stärkung der Regionalkaderstruktur und des regelmäßigen Trainings auf regionaler Ebene gehören ebenfalls zu seinen Agenden. Hoffen wir, dass diese strukturellen Maßnahmen gut umgesetzt werden können und greifen.

    LG

    Erik

    P.S. Eine sinn- und niveauvolle Diskussion im Forum - kaum zu glauben. :-)

  • Zur eigens für den Fuß-OL-Leistungssport in ÖFOL-Präsidium und -Vorstand zuständigen Person: Roland Arbter möchte sich erfreulicherweise nach einigen Jahren ÖFOL-Abstinenz wieder im österreichischen OL-Sport engagieren und den Leistungssport unterstützen. Er ist bereit, als Referent und Vizepräsident für den Fuß-OL-Leistungssport tätig zu sein, und wird entsprechend bei der kommenden Mitgliederversammlung in Salzburg zur Wahl vorgeschlagen.

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